Versprochenerweise starte ich mal mit der Ganovengeschichte.
Es ist in China nicht unüblich, wenn man als Ausländer (Lao Wei = alter Ausländer) einen um etwa 400 % erhöhten Preis auf bestimmte Produkte angeboten bekommt, z.B. bei Watch, Bag, DVDs und iPhones, aber auch an manchen Straßenimbissen, da kann der Biss (tolles Wortspiel) schonmal das doppelte von dem nebenstehendem am Stäbchen kanabbernden Chinesen betragen. Wenn man also weiß, das eine DVD 5 Kuai (50 cent) kostet und man wieder einmal bei 40 Kuai beginnen muss, kann einen das etwas anstinken – tut es aber bei mir nicht und Ganoven sind es deshalb auch noch nicht. Ganovischer ist da schon, dass man von etwa 18 Jährigen P.I.M.P.s (bitte im Internetlexikon nachschlagen) angesprochen wird, die einen in zwielichtige Lokale verschleppen, in denen man übrigens immer Karaoke singen kann und man dann nur unter 1000 maliger Wiederholung der Phrase “Bu Yao” (will nicht) das entsprechende Lokal wieder verlassen, aber auch nur, wenn man dann auch noch, auf einmal “kostenlose” Diense ablehnt. Nein Ganoven sind anders – subtiler. Nach dem Suzhou-Trip genehmigten wir uns noch ein leckeres Straßenessen und Bier hat dazu prima gepasst – gesagt – gegangen. Am Nebenstand für 8 Kuai, 2 Flaschen Bier erworben und mit einem 50 Kuai Schein bezahlt – jetzt geht’s los. Ich bekomme gezählte 42 Kuai in kleinen Scheinen (1er und 5er) zurück, zähle noch einmal selbst und es passt, die nebenstehende (offenbar dazugehörige) ältere nette Frau, nimmt freundlicherweise das Geld noch einmal und zählt diese 42 Kuai in dieser sehr fingerfertigen chinesischen Weise (die Scheine halb gefaltet) noch einmal durch und gibt mir die zum dritten Mal geprüften 42 Kuai zurück. Ich zähle nicht noch einmal, bin ja kein Kontrollfreak (hätte ich aber doch sein sollen) und stelle später fest, dass ich nur 20 Kuai zurückbekommen habe, der Stand und beide Frauen verschwunden – Ganoven!

Nach einer normalen Schulwoche, die ich nicht näher beschreibe – anstrengend sollte reichen und Spontanbegnungen in U-Bahnen und wahrscheinlich nur-mir-passierenden-hier-nicht-weiter-erläuterbaren Folgen (nichts schlimmes!) ging es gestern auf ein chinesisches Hardcore/Screamo/Metalkonzert. Es ging in einen sehr kleinen gemütlichen Club, mit einem gedreadlockten großen Chinesen als Einlassmenschen und Soundtechniker und die Bands “Double Control Where”, “Forget N Forgive” und der Headliner “The Raving Radio” (myspace.com/ravingradio) spielten auf. Was soll ich sagen? Ich fühlte mich wie zu Hause. 4 Euro Eintritt, ein Club der dem Johannstädter Bahnhof gleicht, echte Chinesen, die “richtige” Musik hören und man versteht sogar einzelne Ansagen, mal weil sie Englisch sind und mal weil man ein bisschen Chinesisch kann (“der letzte Song”, “vielen Dank” und “ihr seid toll, danke für die Unterstützung”), geht aber hochdeutsch sprechenden Hardcorefans, bei z.B. “Heaven Shall Burn” nicht anders und das liegt nicht daran, dass “HSB” eine Band aus dem Ausland ist. Chinesen “moshen” (typischer “Tanzstil”, der ein bisschen wie Kung-Fu mit herumschubsen und Kartoffelernten aussieht) auch nicht ganz so hart und häufig, wie ich das kenne – aber ich habe mir dennoch Freunde gemacht. Einer schubste mich ganz sanft und ist dann ganz schnell wieder zur Bar zurückgerannt, damit ich ihn nicht sehe – ist ein bisschen wie im Zoo, man steckt den Finger in den Giraffenkäfig, solange man diese blutrünstigen Geschöpfe noch nicht kennt und guckt dann ob die beißen, aber man zieht vorher raus. Niedlich! Und ein grandioser Abend in einer Randgruppe, die noch kleiner als die in Deutschland ist, bei viel größerer Landesfläche.

Ausstellungen gab es auch, z.B. die der Vereinten Nationen, nett anzusehen und war für uns kostenlos und wo bitte kann man sonst auf einer Ausstellung verkehrt eingeklebte Landesflaggen und Beschreibungen sehen? Na?
Danach sind wir in eine Aufführung einer Rentnerhochschule hineingelaufen und begaben uns in eine Fülle von Operngesang, dem Klang dieses tollen Zitterinstrumentes (aus “Hero”), Kostümen und einem nebensitzendem etwa 5 jährigen dicken Kindes, das mit seiner Klatschhand um Klatscher bettelte, die aber weder von uns, noch von Papa oder den umsitzenden älteren Leuten bekam, schade. Als Fazit ist zu sagen, die Chinesen sind im Alter unglaublich fit, kleiden sich immernoch gut und Gebrechen sieht man nicht und scheinbar wird lieber etwas neues gelernt, statt mit Elsbett und Lieselotte über die aktuellen Krankheiten zu philosophieren.

Soviel zu mir und bald gibt es mehr – vom Infiltrator der Kulturshows, Menschenbeobachter und Tanzteufel Björn.

3 thoughts on “Chinesischer Hardcore, Ganoven und Ausstellungen

  1. danke für die beantwortung der (noch nicht gestellten) frage nach hardcore u.ä. in china. hätte ich so nicht erwartet. aber vergessen wir bei aller vermeintlichen chinesischen weltoffenheit: wir…äh…du sind in shanghai. ausserhalb des aushängeschildes für die aussenwelt sieht das sicher ALLES schon wieder ganz anders aus…

  2. Da hast du wahr 🙂 Obwohl in Beijing eine große Szene existieren soll und bestimmt auch in Taiwan, der Rest verläuft sich in diesem riesen Land und ist quasi nicht-existent.

  3. Hai Björni- geil, “dich” lese ich am liebsten, aber das hab ich ja schon oft geschrieben ich denk ich war dabei lg mumtwo

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