Aus gegebenem Anlass einmal auf Deutsch…

… ich bin geschockt.

Eigentlich aber nicht. Auf der einen Seite könnte ich mich schämen aus Sachsen zu kommen, dort geboren worden zu sein, aber dass habe ich mir nicht herausgesucht. Das ist auch ein Grund warum ich Nationalstolz oder selbst Patriotismus nicht verstehe. Das geht für mich soweit dass ich bei einem Boxkampf (zum Beispiel) nur richtig mitfühle wenn ich im Ring stehe oder jemand zu dem ich ein persönliches Verhältnis habe. Schwieriger wird das wenn die Gruppe größer wird, bei Mannschaftssportarten ist das noch schwieriger, da kann ich auch als Spieler schon stolz auf die Mannschaft sein, wobei dass nicht heißt dass ich mit der Meinung aller als Mensch übereinstimme. Sobald ich keinerlei persönliche Beziehung zu einem Spieler in einer Mannschaftssportart habe schalte ich komplett ab. Kein Interesse.

Ich will hier keine Politik machen, aber als Blogger einfach mal meine persönliche Meinung und Erfahrung wiedergeben. In Shanghai lebend (seit nunmehr knapp 6 Jahren zusammen) habe ich nicht gewählt. China wird höchstwahrscheinlich nicht für sehr lange meine Heimat sein, irgendwann werde ich zurückkommen, sehr wahrscheinlich bevor ich die 10 Jahre hier voll mache. Wenn sich in China nicht ein drastischer Wandel zu Einwanderern und ausländischen Fachkräften entwickelt wird der Zeitpunkt eher früher als später kommen.

Hier bin ich ein Einwanderer. Hier bin ich ein Ausländer. Einer von ganz, ganz wenigen. Einer von knapp einer Million in einem Land von 1,3 Milliarden Menschen (vielleicht mehr, aber ich möchte mich nicht tiefer mit diesen Zahlen beschäftigen). Hätte ich in Mathe besser aufgepaßt könnte ich schnell eine Prozentzahl aus dem Ärmel schütteln, ich meine das ist weniger als ein Prozent.

Ganz ähnlich ist das im Erzgebirge, auch da ist der Ausländeranteil sehr gering. Der gute Alexander Krauß von der CDU meint es sind 0,7 Prozent der Gesamtbevölkerung im Erzgebirge. Gut, diese Zahlen sind von 2011 und mit ein paar Flüchtlingen die wir aufnehmen mussten/konnten sind es wahrscheinlich ein paar mehr. Vielleicht aber auch nicht, hier eine andere Statistik von vor ein paar wenigen Tagen. Ich vergesse aber auch nicht, dass bei dem zweiten Besuch meiner Freundin in Deutschland, in Dörfel ein Flüchtlingsheim brannte zu Weihnachten. Lügenpresse oder dumme christiliche Partei sagst du? Danke, dann kannst du gerne weiter lesen oder von hier verschwinden, wobei dir erstere Option vielleicht den Geist erweitert, letztere nur bestätigt dass du in allen Fächern in der Schule wenig aufgepaßt hast und auch von diesem Wortschwall nicht deine Meinung ändern wirst, ich wünsche mir das dennoch.

Auch wenn ich nicht oft auf Facebook bin, bin ich doch glücklich sagen zu können, dass es nur ein paar Deppen (und ja Deppen seid ihr) unter meinen Facebook Freunden gibt. Viel, viel mehr intelligente Menschen mit hochinteressanten Ansichten denen ich zum größten Teil zustimme und wenn nicht sehr erhellend finde. Wahrscheinlich haben leider auch viele intelligente und tolle Menschen nicht gewählt und die und auch ich müssen mit dem Ergebnis leben.

In Shanghai sind viele Fragen der Chinesen eher interessant (wenn auch nervig, umso mehr ich mich wiederhole): ‘Stimmt es dass in Deutschland Bier aus dem Wasserhahn kommt?’, ‘In Deutschland trinkt man nur Schwarzbier, oder?’, ‘Beim Fußball ist Deutschland ganz stark, oder?’, ‘Hitler war ein klasse Führer, oder?’. Eine Frage ist nicht wie die anderen und wenn ich mit Hitlergruß in einem Supermarkt willkommen geheißen werde dann wird mir schon ein wenig schwummrig. Neulich zum zweiten Mal geschehen in einem kleinen Tante Emma Laden mit zwei muslimischen jungen Herren aus der inneren Mongolei. Es scheint mir 20-35% der wählenden Bevölkerung aus meiner Ecke hätte das eventuell gefallen. Schlimm, und/oder traurig!

Nochmals, dass ist nur meine Erfahrung. Drehe ich die Geschichte herum, erinnere ich mich wie ein Kommilitone, ein Austauschstudent aus China in Zwickau beim gemeinsamen Maultaschenkochenzusammenbauen fragt ‘warum an dem einen Tag jemand aus dem Fenster einen Eimer Wasser auf ihn geleert habe?’.

In einer anderen Ecke Deutschland’s vor dem ‘Heimflug’ nach Shanghai schreit ein dicklicher Fahrradfahrer um 8 Uhr am Morgen dass ich ein Verlierer bin und wohl nix in Deutschland gefunden habe mit meiner Taiwanesischen Freundin. Das ist jetzt 3 bis 4 Jahre her, aber immer noch in meinem Hinterkopf. Ich glaube nicht dass er sich noch daran erinnert, nich wenig glaube ich dass die Rechtswähler aus meiner Geburtsheimat ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder sich daran erinnern. Es ist eben vieles Hören-Sagen.

Die Arbeitsmarktsituation mag schlecht sein, ich weiß es nicht, doch ich bezweifle die Ausländer und/oder Einwanderer haben daran Schuld. Wäre ja schlimm dass jemand der nur wenig oder kein Deutsch spricht und der auch ‘kulturfern’ ist einem die Arbeit wegnimmt. Ne, das ist absurd.

Ich bin nicht so geschockt, weil diese braune Kacke immer schon da war. Unterschwellig. Überall. Bei Dorffesten wusste man, dass zu irgendeinem Zeitpunkt die hohlen Köpfe kommen und es Schlägereinen gibt, höhere Wahrscheinlichkeit je höher der Alkoholspiegel. Selbst als Fan der harten Musik (Hardcore, Metal und Punk) wo normalerweise eine liberale, wenn nicht sogar ‘linke’ Denkweise normalerweise (per Definition und Ursprung dieser Musikstile) vorhanden sein müsste wurde dieser Bereich unterwandert. Zu Anfang war es extrem leicht herauszufinden wer die Idioten sind. Es war einmal einfach (den von Skinheads abgeschauten) Glatzkopf zu erkennen und dann auszugrenzen oder nicht einzulassen. In einer Subkultur in der Stärke, Männlichkeit und Energie nur so von der Bühne strömen, war der Einzug der Idioten nicht überraschend. Nur wenig später war es kaum noch möglich die ‘normalen’ Fans von jenen Deppen zu unterscheiden. Subtil haben sich die neuen Nazis unter die normalen Konzertbesucher und in die Kultur gemischt. Selbst bei einem Auftritt mit unserer Band damals hat ein kreisbekannter Depp den Hitlergruß am Ende von der Bühne zusammen mit anderen Bands zum besten gegeben und somit ein paar Bilder und einen Abend ruiniert, wie viele zuvor. Der Kerl bewegt sich immer noch in der Subkultur und viele haben vergessen.

In einer Gegend, in der man(n) ‘zu de Tschechen’ fährt und damit meint, beim Vietnamesen gleich über der Grenze kopierte CDs und T-Shirts kauft und die Zigaretten und dann den Wagen volltankt und sonst recht wenig Kontakt mit Menschen anderer Länder und Hautfarbe hat, hört man doch öfter rassistische Sprüche. In jeder Altersgruppe. Ich meine ich kenne einige der Pappenheimer die ihren Frust bei dieser Wahl mit ihrer Stimme an der Stelle gemacht habe, mit der ich in keiner Weise übereinstimme. Ich kann das so sagen und meiner Unmut mit diesen Worten kundmachen, umgeben von Menschen die so denken im Erzgebirge, mit Menschen mit denen man täglich zu tun hat, die doch ‘Teil des Freundeskreises sind’, ‘doch eigentlich ein guter Kerl sind’ und doch irgendwie, irgendwo dir doch im Laufe der Woche über den Weg laufen ist das schwerer. Ich wünsche euch Stärke. Ich wünsche euch Kraft zu diskutieren, Kraft den braunen Mob anzusprechen und den kleinen Geist zu erhellen. Das klappt nicht mit Wasser auf den Kopf, noch weniger mit dem Hitlergruß (weder in China noch sonstwo) doch mit einer Stimme, der Stimme für eure Freunde, für Menschlichkeit, ein gutes Zusammenleben und vielleicht auch einen Blick über den Tellerrand.

Eine Demokratie muss das aushalten und das wird sie hoffentlich auch. Ich dachte nach Brexit und Trump (bei dem ich meine dass die Amerikaner diesen verdient haben und ebenso hoffe dass die Situation danach nur besser wird) nahm ich an, dass Deutschland sich doch vergleichbar in einer guten Position befindet. Ich war sogar stolz als ich einen Beitrag über das ‘TV Duell’ der Kanzlerkandidaten geschaut habe und dass dort menschlicher und ‘langweiliger’ abging als bei dem Pisshaar der gerne Golf spielt statt zu regieren und dem Hauptkasper mit Hang zum Alkoholismus aus England. Das Wahlergebnis hat mich eines besseren belehrt und es wird und kann hoffentlich nur besser werden und es liegt an uns es so zu machen. Hier werde ich hoffentlich nicht eines besseren belehrt.

 

 

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