Ich bin ja ein ein grundsätzlich fröhlicher Mensch und ich liebe es wieder in meiner Heimat dem Erzgebirge zu leben. Es macht mich jedoch todtraurig was in Chemnitz geschehen ist und welches Licht die Geschehnisse auf Sachsen werfen.

Irgendwann hatte ich auch einmal über den ‘Schock’ geschrieben, als die AFD mit 30% der Stimmen hier an Macht gewann. Der unterschwellige Rechtsextremismus hat da dann öffentlich seine hässliche Fratze einmal wieder öffentlich gezeigt.

Ein Mensch ist mittels eines Messers in der Nacht von Samstag auf Sonntag zu Tode gekommen. Das ist schockierend, unheimlich schade und schrecklich. Ich wünsche den Angehörigen, Freunden und der Familie des 35 Jährigen Stärke und Kraft diese Situation zu verarbeiten.

Eine zu erwartende Reaktion wäre ein Blumen-niederlegen, Lichter und vielleicht ein Trauergang gewesen. Doch eine rechtsextreme Vereinigung nutzte schamlos die Situation um ihre Agenda voranzubringen und zu zeigen ‘dass die Stadt uns gehört!’ (sic).

Anfangs wollte ich nicht über dieses Thema schreiben, doch leider kamen auch viele der Videos und Bilder in meinem Facebook-Feed an und Meinungen einiger ‘Freunde’ zeigen doch, dass dieser Vorfall und die Instrumentalisierung der Rechtsradikalen funktioniert. Der Mob wird verteidigt, die (wenn man wirklich nicht ganz blind ist) rechtsradikalen und Parolen rufenden Menschen werden verteidigt, nein, verharmlost. Es ist ja normal, man ist ja nur mit der Gesamtsituation unzufrieden (sic). Wer da mitläuft hat sich die Finger schmutzig gemacht, so unwissend kann man nich sein.

Hut ab vor den Polizeikräften, die dort ruhig vorgehen und Ordnung wahren. Ich meine auch die Staatsorgane haben hier nicht versagt, denn binnen 48 Stunden wurden die beiden mutmaßlichen Täter gefasst und werden zur Rechenschaft gezogen. Selbstjustiz geht in Comics klar, nicht in einem Rechtsstaat. 

Erschreckend wie schnell Halb- und Unwahrheiten schon am Sonntag verbreitet wurden: ‘der war Halbrusse… die Ausländer haben den 35x abgestochen… ein zweiter ist im Krankenhaus gestorben… das war während des Stadtfestes… er hat ein Frau vor einem Übergriff bewahrt…’

Nochmal: eine Gewalttat wurde instrumentalisiert um Menschen aufzustacheln und wieder die hässliche rechtsextreme Fratze öffentlich zu zeigen. Soll mir keiner erzählen er erkennt dort nur ‘normale’ Bürger, nicht einmal wenn man Bildmaterial der ‘besorgten’ Bürger anschaut. So blind kann man nicht sein. Ich hoffe die Rufe, verfassunswidrigen Grüße und Gewalt gegen die Polizei wird ebenso bestraft wie die Messerangreifer (natürlich in Relation und nach geltendem Recht und Straftat (duh!)).

Schade zu welcher Berichterstattung dies führt und schade welches Licht dies auf Sachsen, Chemnitz und auch ein wenig auf dich und mich wirft.

Schämt euch, ich muss noch einmal durch meine Facebook-Bekanntschaften gehen und aussortieren, geredet habe ich schon, doch es scheint es ist einigen Leuten nicht mehr zu helfen, wahrscheinlich so wenig wie dem Opfer ein politisch instrumentalisierter Aufmarsch hilft. Denkt doch mal nach!

Habe auch heute mittag gelesen, von Bekannten des Opfers, dass Daniel solcherlei Demonstration sicher nicht gutgeheißen hätte. Es gibt demokratische Möglichkeiten seinen Unmut zu äußern und weniger pietätlose Gründe eure Meinung kundzugeben oder ‘was zu ändern’. Fakt ist: seit spätestens heute sind international Bilder aus Chemnitz mit Neonazis zu sehen.

Auch diesen ganzen Whataboutism bezüglich Straftaten Linksextremer und Ausländer könnt ihr lassen. Hier die Zahlen aus 2017: politisch motivierte Ausländerstraftaten – 3372, linksextreme Straftaten – 1702, rechtsextreme Straftaten 23555. (aber stimmt wahrscheinlich so nicht, ist ja bestimmt die Lügenpresse, oder mindestens genauso schlimm, bin mir sicher ihr findet Zahlen die genau das Gegenteil zeigen sollen (sic)).  Hier auch nochmal aktueller, ändert aber im Verhältnis auch wenig. Ihr seid auch nicht ‘das Volk’, nur ein kleiner Teil, der am lautesten schreit, wenn es eurer Agenda am besten passt oder die Opferrolle sich wieder einmal anbietet.

Zur Beruhigung: es ist immernoch ein kleiner, gewaltätiger, dummer und lauter (leider auch erstaunlich schnell und effektiv organisierter) Teil Rechtsradikaler und ich hoffe Sachsen, Chemnitz oder auch ‘der Osten’ wird keine dauerhaften Schäden davontragen. Daniel hilft das mit Sicherheit nicht mehr, möge er in Frieden ruhen. Hoffentlich geht es auch nicht nur mir so, wenn bei den Szenen eher Angst aufkommt als irgendeine Form von Solidarität oder Verständis oder Zusammenhalt. Zum Glück gab es nahezu keine Gewaltvorkommen, trotz der Anzahl der Menschen dort, wobei irgendwie mulmig ist mir dennoch.

Ich liebe meine Heimat und schäme mich ob der braunen Flecken.

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