Hong Kong

Ich habe ja seit Trilliarden nichts mehr geschrieben. Ich war unterwegs – wegen Budgetrestriktionen “nur” in Hong Kong. Hong Kong oder Hochchinesisch “Xiang Gang” (Duftender Hafen) heißt zu Recht so, schon bei der Ankunft in Hong Kong fällt auf, dass diese Stadt duftet – nach Meer, Parfüm, Kosmetik, Essen und mehr. Hong Kong ist die schönste Stadt die ich bisher gesehen habe, eine supersaubere, grüne Metropole umgeben von Bergen/Dschungel, eine feine Meeresbriese und ein Lichtermeer ohne Gleichen und inmitten aller Neubauten und beleuchteten Hochhäusern auch manchmal ein paar dunkle Gassen und wenige zerfallene oder zerfallende Gebäude – wunderschön. So schön die Stadt, so schön und abenteurlich der Trip und die Reise an sich.

Erstmal kann ich jedem bescheinigen, dass es keine gute Idee ist in der Zeit des chinesischen Neujahres zu verreisen – ehrlich – macht’s nicht! Chinesisch Neujahr wird in Familie verbracht, was heißt: man reist in seine Heimatstadt und zelebriert mit seinen Verwandten – machen 1,3 Milliarden Menschen so und da kann man sich munter in die Reisegesellschaft stürzen – kann man, sollte man aber nicht. In der Festwoche ist es nahezu unmöglich günstig zu Reisen oder zu Nächtigen.

Punkt 1: Reisen. Da ging bei uns schon einiges schief: Flieger etwa 5 Tage vorher nach Shenzhen gebucht (ist billiger und dann mit dem Bus nach Hong Kong, so bleibt es ein Inlandsflug. In China wird einem das Ticket innerhalb von 24h an den Ort der Bestimmung geliefert. Cool! Nebenwirkungen: Anrufe bis halb 1 Uhr nachts, ob Bjoern und Björn derselbe Name ist und wann der Kurier am Besten an der Haustür klingelt. Zusatzkosten für die Lieferung – keine. Ticket kam an und wie blickten zuversichtlich Richtung Süden und stiegen vorbereitet und gepackter Dinge in den Bus zum Flughafen. Flughäfen sind ja generell etwas verwirrend und dann kann man schonmal sein Terminal etwas später als erwartet finden und der dortige, ich nenne ihn mal Eincheckmann, kann einem dann z.B. sagen, das die Flüge für den Nächsten Tag gebucht sind. Das kommt vor und wir konnten Kostenungünstig umbuchen, denn das Hostel war ja auch schon reserviert.

Punkt 2: Nächtigen. Hostel war auch gebucht, da gibt es tolle Internetseiten und es war supergünstig für die Festwoche 16 Euro im Doppelzimmer in Hong Kong – Traum! Angekommen ließen wir uns von einem der gefühlten tausenden Indern in Kowloon in dessen Restaurant locken. Es gab Curry und eine Bierflatrate und Nachbarn mit beißend stechend riechenden Vorspeisen auf dem Tisch, die mich laut nießen ließen was für Erheiterung des ganzen Restaurants sorgte und uns mit ebenjenen Nachbarn ein Gespräch starten leiß. Honkonger sind übrigens supernett. Wir fragten nach unserem Shangri-La-Hostel gegenüber dem Himalaya Park und ernteten komische Blicke und es hieß: dieser Ort ist vermutlich nicht in Hong Kong. Unsere netten Tischnachbarn versuchten sogar das Hostel telefonisch zu erreichen, meinten aber es ist vermutlich in der Yu-Nan-Provinz in China. Egal! – Zwickauer kennen sich ja meistens auch nicht sooooo gut in Zwickau aus, also in das nächste Taxi gestiegen. Der Taxifahrer verstand weder die hochchinesische, noch englische Ansage und meine Notizen halfen im auch nicht. Ich wurde mit der Taxizentrale im Auto verbunden und nach etwa 5 Minuten wurde mir/uns klar – das gebuchte Hostel ist in der Yu-Nan-Provinz und nicht in Hong Kong.

Glaubt mir solche Missverständnisse oder auch Mistverständnisse machen das Reisen nicht leichter, nicht günstiger, bestimmt nicht sicherer, aber abenteurlicher.

Also Festwoche – wir in Hong Kong und keinen Platz zum schlafen. In Hong Kong sind Hostels “serious business” und in der Festwoche ausgebucht. Fanden wir nach etwa 60 Hostels (kein Witz) auch heraus und sogar das Holiday Inn war ausgebucht, wenn auch von sich aus außerhalb unserer Kategorie. Ein netter Inder, die gibt es auch in Kowloon, gab uns den Tip in einem 24 Stunden McDonalds zu nächtigen. Klang dann auch nicht mehr so verkehrt – also Milchshake gekauft und in die Ecke mit schlafenden Chinesen. Nach etwa 2h Ruhen, kamen dann ein paar klatschende McDonalds Bedienstete und wir wurden gebeten den Bereich zu verlassen, da man dort Reinigen muss. Es war ja erst 4 Uhr morgens und dann kam mir die zündende Idee. Das bisher günstigste Hostel hätte für eine Nacht 700 Hongkong-Dollar gekostet (etwa 70 Euro) – war also keine Option. In Festlandchina gibt es tausende Internetbars, die Bars in denen 14-25 Jährige World of Warcraft spielen, rauchen, chatten und schneller Tippen als der iPhoneautoverfolständigungsassistent. Die Stunde in so einer Bar kostet etwa einen Euro und man hat Internetzugang und circa 100 vorinstallierte Spiele im Netzwerk – wir wollten dort nach einem Hostel schauen und vor allem schlafen. Es hat funktioniert, wenn mir auch die Klimaanlage die ganze Zeit in Gesicht und Nacken bließ und der Computer einmal abschmierte -es war eine günstige Nacht – 3,50 Euro.

Am nächsten Tag fanden wir eines der Hostels, welches wir in der Nacht versucht haben anzuschreiben und die beiden netten Damen, waren leider auch ausgebucht und wir erzählten unsere Story und in treuen Hundeaugen gab es dann die erste Nacht für 400 HKD (DZ) und ein paar bereits per Internet reservierte Menschen von sonstwoher hatten dann in dieser Nacht, in diesem Hostel keinen Schlafplatz – Sorry dafür.

Hong Kong war traumhaft, wenn auch sehr teuer. Längste Rolltreppe der Welt – check!, Avenue of Stars (tolle Sicht auf die Hong Kong Skyline und Handabdrücke von vielen Hong Kong Stars) – check!, Hongkonger Essen (Wonton, dicke Suppen) – check!, Symphony of Lights (preisgekrönte Lichtshow) – check!, Einkaufsstraßen und Nachtmärkte – check!, Fährenfahrt und Fotos mit Chinesen – check! Disneyland – check!, besten Kumpel aus Kanada treffen – fail!, Rückreise – teilweise fail! und zufälliges Superhighlight:

Jackie Chan getroffen, gesehen, fotografiert und Tränen in den Augen gehabt. Wow! Ich kann mich noch erinnern das vor einigen Jahren Dreharbeiten zu “In 80 Tagen um die Welt” in Annaberg Buchholz stattgefunden haben, dies war zu jenem Zeitpunkt meine Nachbarstadt (und zu Fuß zu erreichen), ich las von Jackies Besuch erst am nächsten Tag in der Zeitung. In Hong Kong treffen wir durch Zufall vor einer riesigen Mall Jackie Chan zur Premiere seines neuen Filmes “Little Big Soldier” (nett und er ist immernoch topfit). Ich kann es heute kaum glauben.

Zur Zeit der Expo in Hannover sagte ich zu meinem Kumpel Thomas während einer Show im chinesischen Pavillion, in dem auch die Expo 2010 Shanghai angekündigt wurde – “Thomas, das wär doch voll cool, wenn ich dann in China die Expo anschaue” und heute, hier, dieses Jahr wohne ich in Shanghai – direkt an der Expo, werde vermutlich sogar dort arbeiten und ich habe Jackie Chan gesehen – einen der ganz Großen und mein persönliches Idol!

… weiter geht es mit Disneyland, verpassten Treffen, meinem morgigen Schulbeginn, 3 Björns in meiner zukünftigen Klasse (2 aus Schweden, einer bin ich)…

Für den Rest des Tages genehmige ich mir – nichts produktives, außer Filme schauen und Musik zu hören, zu tun. Danke!

Weihnachtspakete und der Superbowl

Gestern, Vorgestern, naja jedenfalls am 08.02.2010 fand der 44. Superbowl statt. Superbowl ist für die Menschen des nordamerikanischen Kontinents das Wetten Dass..? der 90er in Deutschland oder das Endspiel der EM für Fussballfans in Deutschland, nur das man drumherum alles mitgenießt, heißt: Werbespots, Show- und Gesangseinlagen und und und. Ich hab mir das Spektakel in einer chinesischen Sportsbar angeschaut und dafür gallt es morgens um 5:50 Uhr aufzustehen. Klar!
Es hat sich gelohnt – ich verstehe die Footballregeln halbwegs, die amerikanischen Werbespots die wir sahen waren grandios, denn über dreiviertel sahen wir dann auf einem chinesischen Sender in bescheidener Qualität. Jetzt bin ich ein Superbowl Longshirt, Armband und LED-Licht (mit projezierendem Helm) reicher und es hat eine Menge Spaß gemacht.

Manchmal scheinen mir in China Kleinigkeiten zu fehlen, zur Weihnachtszeit, war es bis auf den Weihnachtsabend, ein wenig die Weihnachtsstimmung und über die gesamte Zeit ist es irgenetwas für meine Muskeln und Knochen – ich habe keine Ahnung was da fehlt – alles knackt, krampft und macht Geräusche. Neulich Nackenstarre und Schmerzen und seit gestern meine linke Schulter mit Dauerschmerz – auch Paracetamol und warme Umschläge helfen bisher nicht. Wahrscheinlich fehlt mir irgendwas im Essen – weiß jemand was? Oder ist es zu kalt oder doch zu wenig Sport? Fragen über Fragen…

Apropos Weihnachtszeit. Es gibt schönere Gefühle als von der eigentlich nie klingelnden Haustür geweckt zu werden, wenn dann aber der Postbote mit einem Päckchen aus Deutschland vor der Tür steht ist alles vergessen, nein tausendfach besser. Ich habe mein erstes Paket aus deutschen Landen bekommen. Vielen lieben Dank Mireille und Maik – leider ist Weihnachten jetzt schon eine Weile her, aber ich freue mich riesig über die Naschereien und Kleinigkeiten, ich kann ja ruhig später Weihnachtsstimmung aufkommen lassen, denn auch chinesisch Neujahr wird ja erst in über einer Woche begangen. Danke!

In letzter Zeit war ich dann noch damit beschäftigt meinen CV (Curriculum Vitae) zu schreiben – das ist de facto der englische Lebenslauf – musste ich mir aus dem Gedächtnis zusammenrufen, denn digitale Kopien hab ich vor Abreise nicht gemacht und die deutsche Version liegt in einem Ordner in Deutschland. Jetzt ist der CV fast fertig, er unterliegt nur noch einer Rechtschreibkontrolle durch “native speakers” und dann darf noch ein bisschen neben dem Studium gearbeitet werden.

Einen Haarschnitt habe ich auch wieder, der kleine Friseurladen war nett, die Mädels auch, ich seh jetzt wieder besser aus, bin 3 Euro ärmer, 2 Telefonnummern reicher und schöner.

Da werd ich mich mal wieder daran machen die Welt mit Informationen zu versorgen und meinem Daily Business nachzugehen – wie immer – kann man hier auch nochmal als Film anschauen (Danke Linda für’s Finden).

Entschuldigung das es mit dem Schreiben etwas langsam voran geht, es wiederholen sich viele Abläufe und es gibt recht wenig zu meckern – sich aufzuregen ist besonders leicht und dann purzeln die Blogeinträge noch und nöcher.
Das nächste mal schreibe ich von meinen Alltagsferienbeschäftigungen – die sind irgendwie wenig Chinesisch.

Passt auf euch auf!