Es gibt wieder einen Grund zu feiern, denn ich darf offiziell bis zum 31. Juli 2010 in China verweilen, wenn dann endlich noch die Bürokratiemühlen mir die Gunst des Auslandsbafögs erweisen, kann ich auch das Jahr sorgenfrei verbringen – denn es ist Ebbe im Portemonnaie. Geldspenden sind erwünscht.
Auf jeden Fall ist der Bürokratiekram Chinas vorerst erledigt – alles gehört bezahlt und mit rotem Stempel und Stern in der Mitte gekennzeichnet und unzählige Dokumente werden zwischen Hochschule, Polizei, Wohnung und Dokumentenstelle hin- und hergeschleppt.
Rot wird auch in der Schule kontrolliert und dank vieler Botengänge sanken auch erstmal die Prozentergebnisse von 98 % auf 80 % auf 70 % und im letzten Test auf 60 % – ich habe also noch eine Menge zu lernen – andere bescheißen, was heißt sie schreiben die Vokabeln vorher aus dem Buch (die werden auch in derselben Reihenfolge abgefragt) oder schreiben währrend des Tests von unter der Bank ab, da die Tests aber nicht in irgendwelche Bewertungen einfließen – hab ich lieber ein ehrliches Ergebnis, wenn ich nämlich will kann ich mich den ganzen Tag gerne selbst verarschen – aber jeder nach seiner Fasson. Mein Brief an die Eltern (in Chinesisch) wurde mit dem roten Satz “You are a good student, I like you very much.” verziert und ich kann diese Liebe nur zurückgeben (für die tägliche Dosis Englisch: “the love is mutual”).
Ich bin bei meiner Kouyu (Aussprache/mündliches Chinesisch) Lehrerin zu einer Feier zum 3. Oktober eingeladen und ich freue mich schon sehr darauf. zu dieser Ehre kam ich, weil sie ihren Sohn (vielleicht 5 Jahre alt) mit in die Schule nahm und ich in der Pause mit ihm herumalberte und wir unser Kung-Fu demonstrierten und weil ich natürlich immer gegen ihn verlor, trug ich einen schmerzenden Rücken davon – bekam aber einen Mooncake und eine Einladung, die Aufmerksamkeit des kompletten Schulhofes und eine Einladung zu einer traditionell chinesischen Festlichkeit. Danke!
Blaue Flecken bekommt man auch ab- und an in der U-Bahn. Es ist Tradition, dass man es nicht versteht, dass man erst aussteigen lässt und dann einsteigt, nur um dann auf die raren Sitzplätze zuzustürmen und wenn man es nicht mit eigenen Augen sehen würde, könnte man nicht glauben wie schnell über 50 Jährige sich bewegen können. Das Gerangel und eventuelle Zusammenstöße bleiben zu 98 % unkommentiert – in 2 % der Fälle, so z. B. heute morgen beschimpfen sich die Protagonisten lauthals (auch gern männlich und weiblich) um sich noch einmal ordentlich in der Bahn zu schubsen, was wiederrum von den Umstehenden unkommentiert und unbeachtet bleibt. Komisch!
Muskelkater habe ich noch von dem witzigen Laser-Real-Life-Counterstrike, dieser Veranstaltung wohnten wir (Michel, mein kanadischer bester Kumpel und meine Wenigkeit) mit einem bilingualen (englisch-chinesischen) Debatierclub bei. Es war schweißtreibend, total cheesy (Star Wars Musik, komische bunte Kleidung, Energierefresher (quasi: Leben aufladen) und Regeln wie: “…kein Kung-Fu und nicht Rennen…”) und witzig. Platz 2 für mich in der Gesamtwertung (ohne Kung-Fu) und mit dem Wunsch nach Wiederholung, aber bitte als Paintball, da spüre ich wenigstens die Treffer – man glaubt nicht wie wenig man ein Vibrieren und Quatschen der Weste in Dunkelheit und unter dem James-Bond-/Mission-Impossible- oder Star-Wars-Theme Gedudel wahrnimmt (auch wenn es bei mir nur 4 mal vibriert hat).
Bei einem Meeting des obengenannten bilingualen Toastmaster Clubs, wurde ich dann nach meiner “Antrittsrede” auch prompt zum Toastmaster des Abends gewählt und ich freue mich über die Ausszeichnung, die Freude und die interessanten Geschichten des Abends.
Shanghai darf sich bitte so weiterbewegen, mit seinen 14 Millionen Einwohnern und mir. Langweilig ist anders!

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