Morgen ist mein erster richtiger Schultag – ein Grund endlich mal die gesammelten Eindrücke auf das digitale Papier zu bringen. 3 Wochen Shanghai sind wahrscheinlich das Äquvalent zu 3 gerauchten Stangen Zigaretten – smogtechnisch gesehen – erlebnistechnisch bietet mir Shanghai dann einiges mehr als 24 Jahre in Deutschland.
Wir, das heißt mein Kumpel Michel und ich, sind jetzt seit 24. August im schönen Shanghai.

An einem smogreichen und über 30 Grad heißen Tag angekommen – stellte sich das Hirn erstmals auf chaotische Straßenverhältnisse und die regenbogenfarbene Geruchswelt (halt! ist im Regenbogen eigentlich auch Kackbraun?) ein. Verkehrsregeln sind de facto nicht existent. Zebrastreifen sind so hilfreich wie Kaugummikauen beim Lösen von Mathematikaufgaben und die Hupe der Autos bedeutet: “Achtung – hier komme ich!” und ansonsten gelten darwinistische Gesetze, heißt Lastwagen vor allen, dann Busse, dann Taxis, dann Autos, dann Motoräder, dann Mofas, dann Fahrradfahrer und dann Fußgänger – man gewöhnt sich aber daran. Am ersten Tag galt es eine chinesische Handykarte zu kaufen, eine Verkehrskarte und in das vom ehemaligen Lehrer empfohlene Hotel zu ziehen. Handykarten in China sind toll man bezahlt etwa 8 € bekommt 10 € Gesprächsguthaben und dann hat man noch jeden Monat 200 Freiminuten innerhalb Chinas – was mal wieder beweißt welche Frechheit die Mobilfunkpreise in Deutschland generell sind – Handys kosten im übrigen höchstens 200 € vertragsfrei. Die U-Bahn funktioniert mit besagter Karte, die man auch in Taxis und Bussen verwenden kann – man checkt an einer Haltestelle ein und bei der Endhaltestelle aus und die Fahrt kostet meist so 40 cent – tolle Erfindung – man braucht kein Personal und die deutschen Kontrollettisendungen verlieren ihren ohnehin nichtexistenten Sinn und die U-Bahnen sind erstaunlich sauber und riechen recht deutlich weniger ammoniakgeschwängert als manche deutschen Gegenstücke.
Zur Wohnungssuche stiegen wir in ein günstiges Hotel in der Innenstadt Shanghais ab – 14 € / Nacht im Doppelzimmer – grüner Tee für lau, üblicher deutscher 3 Sterne Standard und die, immernoch, sensationellste niedliche Freßbudenstraße nebenan und 5 Gehminuten zur Hauptschlagader Shanghais – der Nanjing Road. Es galt schon am ersten Abend die Grillspieße zu probieren und ein Shanghaier Bier zu trinken (traumhaft 610ml Flaschen für etwa 40-50 cent) weniger Umdrehungen als in heimischen Landen, aber sehr schmackhaft und passend zu nahezu jedem Essen.

Der erste Abend endete mit einem Kaffee (selten und teuer in chinesischen Landen – uncool) im Cafe des Hotels mit einem sensationellem Blick auf Pudong (das Finanzviertel Shanghais, mit der wunderhübschen Skyline). Quasi ganz viele Hochhäuser – ich schaue mich immernoch nicht daran satt und Baustellen und kleinen alten Häuschen mit einer Menge daran herumbaumelnder Klimaanlagen, Schlüpfern und zum Trocknen aufgehängter Wäsche und dem ein oder anderen freischwingenem Bauarbeiter oder ungesicherten Arbeiter auf dem Bambusgerüst eines 20 stöckigen Hochhauses.
Die ersten drei Tage waren von riesigen Fußtouren geprägt, nicht aus Geiz, nein, weil ich meine und Michel ist da auch meiner Meinung, dass man zu Fuß mehr wahrnimmt und die Gelegenheit hat auch die kleinen Wunderwerke der Umgebeung zu entlocken. Haben wir auch – nämlich den Blick vom Bund auf Pudong – bei einer kühlen Bierdose – den Blick in die Nanjing Road mit einem Ohrwurm, dessen Text etwa so geht: “Hey! You want a watch, DVD, iPhone?” klingt in den Ohren, manchmal noch um die Strophe: “Ladymassage. Beautiful” erweitert. Toll! Nächstes Highlight, noch auf derselben Straße – ein chinesisches McDonalds Substitut namens Wu Dan Yang, in welchem es Baozi (gedämpfte Teigtaschen mit Fleischfüllung, morgens manchmal süße Bohnenpastenfüllung) verkauft werden, auch empfehlenswet und für etwa 15 cent das Stück.

Auch toll – Tempel in Shanghai – irgendwo zwischen Baustellen und Hochhäusern sitzen Mönche (mit Mobiltelefonen) und liegen Buddhastatuen aus Jade herum, die angebetet gehören und auf kleine Geldstücke warten und Männlein und Weiblein Papiergeld und schöne Pappschachteln verbrennen – machen die so und ich hab mir auch ein bisschen Power und besseres Kung-Fu gewünscht und erfolgreich dem Drang widerstanden Jadetünnef und 3-beinige-Teegottfrösche-mit-Glückswarzen-auf-dem-Rücken käuflich zu erstehen.

Es gibt lustige Getränke z.B. eine Art Milchkaffe (kalt) mit schwarzen Murmeln (geschmacklos – ich glaube die macht man aus Mehl) aus einem dicken Strohalm gezogen fühlt sich das spaßig im Mund an – spaßig ist auch, wenn Michel (der nicht verwundert den Aufdruck einer Wasserflasche “Salt Soda Water” als “Saft Soda Water” liest) aus besagter Flasche trinkt und man Pflaumensaft kauft, der geschmacklich nur unweit von Barbecuesoße liegt.

Michel Einschreibung war schon eher als meine, also 2 Wochen eher und ich verbrachte die Vormittage allein im Park. Alten Menschen beim Rückwärtslaufen, Laufen-und-in-die-Hände-klatschen, TaiChi üben und gegen Bäume schlagen/klatschen oder an Kinderspielplatzgleichen Sportgeräten ertüchtigen zuschauen – ein Traum. Ich hab dann Wang Laoshi (Lehrer Wang) kennengelernt, der mir, mit seinen beiden Schülerinnen (die nur Shanghaidialekt sprechen) bereitwillig Formen des Schwertkampfes zeigte, die ich dann nachmachte und so schnell eine Menschentraube um den Laowei (alten Ausländer) sammelte, der dort Kung-Fu-Formen trainiert. An diesem Vormittag war ich endgültig in meiner Welt angekommen und ich fühlte mich zu 100 % zu Hause.
Übrigens laufen in Shanghai wirklich Leute in Schlafanzügen durch die Straße, kaufen ein oder telefonieren in Boxershorts in Telefonzellen, was echt witzig anzusehen ist, aber niemanden anhebt – mich auch nicht. Frauen sind defintitv mit mehr Geschmack für weibliche Kleidung gesegnet (ich bin für Sommerkleidpflicht) und allgmein mögen Chinesen scheinbar Markenaufdrücke (also je größer das Ralf Laurent Zeichen, desto teurer der Fake).
Nach etwa 7 Tagen fanden wir auch ein wunderhübsches Zuhause – eine 90m² Wohnung im 19.Stock quasi auf dem Expogelände, was noch einer riesigen Baustelle gleicht, aber bald eine der Adressen in Shanghai sein wird, mit Klimaanlagen, Studierzimmer, schöner Küche, Waschmaschine, Massagebadewanne, Dusche und allerlei Geschirr (heißt Essstäbchen) und mittlerweile Internet – Hammer und eigentlich über den bisherigen deutschen Verhältnissen, aber für das gleiche Geld. Müllentsorgung ist sehr interessant, man trennt nicht, schmeißt den Sack in den Gang oder in den dafür vorgesehenen Eimer (Flaschen evtl. daneben) und das Zeug verschwindet – it’s Magic!

In Shanghai haben wir schon eine Menge erlebt – Karaoke mit “alten” Studenten (die dann abgereist sind) und einem Chinesen, den Bau des Qingdao-Tower (die Karaokesepareekonkurrenz zu den Hochhäusern aus Bierdosen), die nachfolgende Party mit Chinesen in einem Separee, in das wir hineinwunken/winkten/gewinkt/wankten haben?!? Ein wagemutiger Gang in den 87.Stock des Grand Hyatt in Pudong mit wunderbarem Ausblick, Tempel, Straßenstände, Watches, DVDs, iPhones, witzige oder unsinnige englische T-Shirtaufdrucke (B&G z.B.).
Heute haben wir (6 Deutsche, 2 Moldavierinnen mit Kind, 1 Franzose und etwa 6 Chinesen) an einem Casting für einen Film bzw. einen Werbespot in den Randbezirken von Shanghai teilgenommen. Abenteurliche Fahrt, zwielichtige Hotelzimmer, wilde Taxifahrten und einen supercoolen neuen chinesischen Freund kennengelernt zu haben später – kann ich sagen, dass ich, eine deutsche Freundin, der Franzose und der supercoole Chinese genommen sind – mal schauen was das wird – ist wahrscheinlich sogar seriös, meinte der neue chinesische Kumpel. Ich bin gespannt und halte euch auf dem Laufendem, wenn ich dann mit Andy Lau, Tony Leung, Jackie Chan, Jet Li, Maggie Q, Suqi, Maggie Cheung oder sonstwem vor der Kamera stehe.
Morgen ist mein erster richtiger Schultag und ich bin gespannt, weil ich unerwartet gut im Test abgeschnitten habe, habe ich sogar etwas Überforderungsangst – aber mal schauen.
Diesen Blogartikel hätte ich gerne mit Bildern verschönert, aber chinesische Firewalls machen es mir nicht einfach und WordPress stellt manche Buttons nicht dar, deshalb verlinke ich einfach mal als nette Additive – für die visuellen Typen und Typinnen, diese beiden StudiVZ-Fotoalben (sichtbar wahrscheinlich nur für MeinVZ und StudiVZ Mitglieder).

Michel’s Bilder (http://www.studivz.net/Photos/Album/4b77eaac36c4d610/a/5d7edd80b6208356)
und meine Bilder (http://www.studivz.net/Photos/Album/4212f70022334739/a/f48d5fec382d10eb)
(ja, auch der Linkeinbindebutton ist nicht da- sorry auch dafür)

Für das Nichtvorhandenseinen des Grafik-Einbinden-Buttons auf dieser Seite lasse ich mir noch etwas einfallen, oder mir können ja gern die Leser Vorschläge machen. Picasa? Flickr? Eine Lösung in Form eines Blog-plugins?

Ich wünsche allen eine tolle neue Woche!

Euer Aulandskorrespondent Björn

8 thoughts on “Shanghai has me…

  1. Echt neidisch machender Bericht. Obwohl ich wahrscheinlich nicht so offen bin wie Du und ich viel verpassen würde. Aufjedenfall bin ich mal auf deine Filmambitionen gespannt und natürlich weitere Berichte. Bilder würde ich auf Flickr bevorzugen da ich nicht an studivz rankomme.

  2. welcher björn ist denn das bei studivz?^^ ..weil sonst kann ich (oder vllt auch noch andere) die fotos nicht anschaun

  3. Hey du! Na endlich hört man auch mal was von euch beiden, das war ja bisher fast so mysteriös wie bei unseren Beijingren. Das Fotoproblem mit WordPress hab ich ja auch, wie du dir sicher denken kannst. Aber hey: HTML is your friend! Wenn du also nicht auf ein Extra-Fotoalbum umsteigen willst, funktioniert dieser Code. (Ich weiß nicht, ob und wie der Code in den Kommentaren hier angezeigt wird, deshalb ersetz ich die spitzen durch runde Klammern.)

    (img class=”aligncenter size-full wp-image-56″ style=”border:0px solid black;margin:1px;” src=”http://BLOGNAME.wordpress.com/files/2009/MONAT/BILDNAME.jpg” width=”BREITE IN PIXEL” height=”HÖHE IN PIXEL” /)

    Breite und Höhe kannst du zur Not auch weglassen. Bei Bildname kommt der Name der Bilddatei hin, wie du sie bei WordPress hochgeladen hast. Statt “aligncenter” kannst du auch “alignleft” oder “alignright” schreiben, wenn du die Bilder rechts- bzw. linksbündig in den Text einbauen willst. Der Blogname wäre hier logischerweise burntobealive und bei Monat ist der Monat gemeint, in dem du das Bild hochgeladen hast, für September also z.B. 09.

    Joa… Ich hoffe, ich hab dich damit jetzt nicht gelangweilt. So mache ich es jedenfalls immer, aber ein externes Fotoalbum lohnt sich sicher auch. Kann da leider nichts empfehlen, da ich mich nicht auskenne.

    Liebe Grüße aus Nanjing und viel Erfolg beim Unterrichtsstart!

  4. Danke erstmal für alle Kommentare, wie ihr seht komm ich nicht sehr oft zum Schreiben.

    @chris: Danke und cooles Videotelefonat neulich – rock Frankreich!
    @nicoXXX: 😉 Alle als Freunde addiert 😉 Nein, ich werd es mal mit Flickr probieren…
    @Yvonne: Danke für die Hilfe, wenn man vor der Bestätigung der Seite “No Scripts” wegklickt geht alles wunderbar!
    @elMicha88: Björn 赛必安 – ich werde aber nochmal flickr probieren oder sowas.
    @Sebastian: Vielen Dank! Wird versucht…

  5. Hy Sohni,endlich mal was von Dir gehört(lesen).Mit dem Skype chaos,denke habs jetzt mit Mia hinbekommen,kaufe jetzt noch ne Kamera und dann hoffe ich wir sehen uns mal.Lasse es Dir gut gehen.Melde Dich wenns ganz toll brennt.Grüße von Papa und Lea

  6. Hey Susann! Ich freu mich auch von Dir/Euch zu hören! Wenn wir dann irgendwann mal skypen können – ist das ja äußerst cool. Ganz liebe Grüße auch an euch – dich Susann, Papa, Lea und den kleinen Sepp 😉 Danke!!!

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